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Fuß gefasst und Freunde gefunden

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Fabiola Loaiza Guardado "Eine schwere Zeit, diese ersten Monate in einem fremden Land. Ich konnte schließlich kein Wort Deutsch." Von ihrer Schwester, die bereits Erfahrungen in Deutschland gesammelt hatte, wusste Fabiola zwar so ungefähr, was sie hier erwartet. Doch das wirkliche Leben mit Fühlen und Schmecken, Reden und Zuhören, mit eigenen Entscheidungen und ständig neuen Herausforderungen, das war denn doch sehr anstrengend für die junge Mexikanerin. "So manches Mal habe ich meiner Mutter am Telefon vorgejammert, dass ich das nicht durchhalte."
"Eine schwere Zeit, diese ersten Monate in einem fremden Land. Ich konnte schließlich kein Wort Deutsch." Von ihrer Schwester, die bereits Erfahrungen in Deutschland gesammelt hatte, wusste Fabiola zwar so ungefähr, was sie hier erwartet. Doch das wirkliche Leben mit Fühlen und Schmecken, Reden und Zuhören, mit eigenen Entscheidungen und ständig neuen Herausforderungen, das war denn doch sehr anstrengend für die junge Mexikanerin. "So manches Mal habe ich meiner Mutter am Telefon vorgejammert, dass ich das nicht durchhalte."

Doch irgendwann hatte sie Fuß gefasst in der Sprache, hatte Freunde gefunden im Cottbuser Humboldt-Gymnasium, konnte anfangen, sich die Stadt zu erobern. "Zuhause dreht sich alles um meine Familie. Man verbringt die Wochenenden und die Ferien zusammen, jeder Kinobesuch wird vorher mit den Eltern genau abgesprochen." Jetzt muss sie plötzlich allein entscheiden, wohin sie geht in ihrer Freizeit, welche Freunde sie mit nach Hause bringt, wie sie ihren Alltag gestaltet. Mehr Freiheit im Privaten, engere Grenzen dagegen in der Schule. Fabiola besucht eine zwölfte Klasse, um Deutsch zu lernen, Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen mit einem anderen Schulsystem zu sammeln. "Daheim waren wir 40 Kinder in einer Klasse. Haben viel geredet und gelacht in den Stunden, die Lehrer waren fast wie Freunde." Hier, in kleineren Klassen, würde mehr Wert aufs Lernen gelegt. Ruhe, Disziplin, Distanz. Freundschaften haben sich dennoch entwickelt – nachdem die ersten Vorurteile abgebaut waren. "Für viele Leute ist Mexiko nur Tequila, Pferde, Indios. Ständig wurde ich gefragt, ob wir denn auch Autos hätten, Fernsehen oder Internet." Anfangs hat sie diese Unkenntnis verletzt, heute kann sie darüber nur noch lachen. Bei verschiedenen Treffen hat sie mit den anderen Teilnehmern des Rotary-Programms gesprochen. Junge Leute aus Kanada, Thailand, Brasilien. Sie alle mussten sich mit ähnlichen Fragen auseinandersetzen – und haben gelernt, das Verständnis füreinander nur in persönlichen Begegnungen wachsen kann. "Das", so sagt auch Fabiolas Gastmutter Bettina Muthmann, "das ist auch der Sinn dieses Programms. Aus diesen internationalen Begegnungen entstehen feste Bindungen über kulturelle Grenzen hinweg." Die Muthmanns haben Fabiola als dritte Gastfamilie in Cottbus aufgenommen – die Jugendlichen sollten während ihres Auslandsaufenthaltes möglichst viele verschiedene Familien kennen lernen. In vier Wochen wird die Familie sie zum Flughafen bringen und sich verabschieden. "Schon jetzt habe ich Angst vor dem Loch, das Fabiola hinterlassen wird", sagt Bettina Muthmann. "Ihr Temperament, die Freunde, die sie uns ins Haus gebracht hat, die spanischen Gebete, die sie abends am Bett unseres Sohnes gesprochen hat." Schon jetzt steht fest: Dieser Abschied wird kein Abschied für immer. Fabiolas ganze Familie soll nach Cottbus kommen, irgendwann, die Muthmanns selbst werden "auf jeden Fall" nach Mexiko reisen.
Montag, 23. Juli 2007/web646
Letzte Änderung: 23.05.08/web646


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