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Vorspannzeile
Distriktkonferenz 2011



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[Distriktkonferenz Rheinsberg]
Konferenz des Distrikts 1940 in Rheinsberg
Jung wie Polens Freiheit
Dem Nachbarland im Osten galt erneut der Schwerpunkt der diesjährigen Distriktkonferenz
Ein berühmtes „Bilderbuch für Verliebte“ ist hier entstanden, Fontane pries die Landschaft und Friedrich der Große hatte dem Vernehmen nach hier seine glücklichsten Jahre verlebt: kein schlechter Ort, dieses Rheinsberg, für eine Distriktkonferenz, die denn am Vorabend auch stimmungsvoll begann, mit einer Dampferfahrt und einer Lesung des Schauspieler-Autors Frank Matthus (RC Neuruppin) über Friedrichs Bruder, Prinz Heinrich, den eigentlichen Rheinsberger Schlossherrn.
In diesen „Ort musischer Kreativität“ (Bürgermeister Jan Pieter Rau) zog nun für ein Wochenende Rotary ein, um mit den Vertretern der 78 Clubs im Distrikt das zu Ende gehende Amtsjahr zu feiern. An erster Stelle im Programm stand, wie so oft, Polen, der Nachbar, dem man auch rotarisch als Leitdistrikt verbunden ist. Das gute Einvernehmen würdigte der Governor des Distrikts 2230, Piotr Wygnanczuk, der dazu als jüngstes Leuchtturm-Projekt die Clubs Berlin-Mickiewicz und Warschau-Goethe hervorhob – lässt sich Freundschaft besser dokumentieren als durch dieses Modell wechselseitiger sprachlich-kultureller Integration?
Die Zusammenarbeit mit Polen war auch ein Schwerpunkt im Bericht von Governor Jürgen Frerker. „Da passiert eine ganze Menge“, hat er bei seinen Clubbesuchen erfahren. Bestes Beispiel ist das Gemeindienstprojekt „Lesen lernen – Leben lernen“, das sich mit 32.000 verschenkten Büchern nicht nur im Distrikt selbst prächtig entwickelt, sondern von den Clubs Neubrandenburg und Bad Saarow-Scharmützelsee auch zu Deutschschülern in Szczecin (Stettin) bzw. Gorzow (Landsberg) gebracht wurde.
Die gute Verständigung wird trotz vieler Unterschiede durch eine Analogie verstärkt: Auch im Distrikt 1940 sind die allermeisten Clubs jünger als 20 Jahre, gegründet erst nach der Wende: Nur 12 der 78 Clubs sind älter, der Rest so jung wie die polnische Freiheit. Dennoch – oder gerade deshalb – hat der Governor viele „gut gewachsene, hoch motivierte Clubs“ kennengelernt, gerade auch im ländlichen Bereich. Sein knappes Fazit: „Ich bin begeistert.“
Ähnliches galt für die weitere Bilanz. In Stichworten: Polio-Challenge-Ziel mit 432.000 Euro erreicht; Viadrina-Stipendien mit 500.000 Euro Gesamtleistung und 300 geförderten jungen Leute in 12 Jahren; „Paradepferd“ Jugenddienst mit 40 Austauchgästen in diesem, 60 im kommenden Jahr; Mitgliederzuwachs: rund 70 auf 3400, darunter zehn Prozent Frauen. Last not least drei neue Clubs: Berlin-Funkturm, der schon genannte Berlin-Mickiewicz und ein Internet-Club, der „Rotary eClub Berlin Global“. Was Frerkers bundesweit beachtete Initiative zur Integration von Migranten gebracht hat, lässt sich noch nicht in Zahlen fassen. Er weiß von Gesprächen und Vorträgen und betont noch einmal, dass „Rotary ein idealer Ort ist, die Kommunikation in diese Richtung aufzunehmen und zu gestalten“.
Nachdem der Vertreter des Präsidenten RI, Past-Gov. Martin Gutsche (RC Oldenburg/Oldb.) am Beispiel von Freundschaft, Dienen und Vielfalt den daraus hervorgehenden Reichtum unserer Programme und Projekte vorgestellt hatte, konnte der Beauftragte für die Rotary Foundation, Past-Gov. Gerhard Wrede (RC Berlin-Nord), die positive Bilanz des Governors mit weiteren Zahlen untermauern. So hat der Distrikt zehn Matching Grants mit insgesamt 40.000 US-Dollar bezuschusst. 10.000 US-Dollar fließen in den Polio-Fonds und noch einmal 20.000 US-Dollar wurden zur Linderung der Erdbeben-Katastrophe in Japan eingesetzt.
Wem nach so vielen Zahlen der Kopf rauchte, dem boten eine Tango-Einlage, die diversen Vorstellungsrunden von Inbounds, GSE- und NGE-Teams und der Auftritt des Neuruppiner Clubchors Gelegenheit zum Entspannen. Einmal aber war noch Konzentration gefordert: beim Festvortrag des Botschafters der Republik Polen, Marek Prawda, Ehrenmitglied des RC Berlin. Mit seiner Analyse unter dem Allerweltstitel „Polen und Deutschland im vereinigten Europa“ gab der Diplomat den rund 160 Zuhörern ungewöhnliche Einblicke in die Gefühlslage unserer Nachbarn, die von neuem Selbstbewusstsein geprägt ist. Polen sei im Aufschwung, so der Botschafter, habe die Finanzkrise gut überwunden und genieße auch deswegen immer mehr Hochachtung innerhalb der EU. Das führe zu gestiegenen Ansprüchen bzw. neuer Verantwortung: Polen sei heute ein geschätzter Vermittler zwischen Ost (Russland) und West, ein Impuls- und Ideengeber für den alten Westen und mit Sicherheit kein Problemfall mehr, sondern ein EU-Partner auf Augenhöhe. Dass das diesseits der Oder noch nicht richtig erkannt wird, vermerkte der Diplomat mit feiner Ironie: „Es ist nicht die Stärke der Deutschen, an uns zu glauben.“
Matthias Schütt
In Kürze
Ehrungen
Zu Paul Harris Fellows wurden ernannt: Inge Brand, der Beauftragte für die Rotary Foundation Past-Gov. Gerhard Wrede (1. Saphir), Distriktsekretär Lothar Nalbach (1. Saphir) sowie die Assistant Governors Eberhard Matiebel, Gustav-Otto Rinas (jeweils 1. Saphir) und Jörg Rohde (2. Saphir). Der von Past-Gov. Dieter Brand überarbeitete Distriktorganisationsplan (DOP) wurde einstimmig verabschiedet.
Finanzlage Für den verhinderten Schatzmeister erläuterte Past-Gov. Dieter Brand die Distriktfinanzen, die von Kassenprüfer Matthias Larsen-Schmidt als „geordnet“ bezeichnet wurden. Peace Fellows Past-Gov. Gerhard Wrede berichtete von der ersten Bewerbung aus unserem Distrikt für das hochangesehene Stipendienprogramm für Friedens- und Konfliktforschung der Rotary Foundation. |
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Mittwoch, 22. Juni 2011/DL
Letzte Änderung: 17.08.11/DL
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