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Kindergartenprojekt - Musikalische Früherziehung

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Bei der Aufnahme dieses Projektes ging unser Club davon aus, dass es in zunehmendem Maße auch inländische Mitbürger gibt, die der Zuwendung bedürfen. Wir glauben, dass kulturelle und finanzielle Armut ein hohes Risiko für die Entwicklung unserer Gesellschaft sind und waren uns einig, dass die "kulturelle Schere" schon sehr früh beginnt, die Lebensläufe von Kindern zu bestimmen. Aus diesem Grund heraus wurde das Kindergartenprojekt "Kostenfreie Musikalische Früherziehung" geboren.

Von früher musikalischer Betätigung ist bekannt, dass sie unsere Entwicklung günstig beeinflusst. Im Umgang mit dem Instrument erlernen Kinder spielerisch den Umgang mit sich selbst, mit ihrem Körper, ihren Emotionen und Sinneseindrücken. Neuere Ergebnisse haben gezeigt, dass Hirnreifungsprozesse, Prozesse der sensorischen Differenzierung und der motorischen Koordination sehr von musikalischer Betätigung profitieren können, wobei Kinder, die Musik machen, auch häufig die selbstbewussteren, sozial kompetenteren und anstrengungsbereiteren sind. Kinder, die heute in Deutschland aufwachsen, sind doppelt bedroht, diese Entwicklungschance zu verpassen. Zum einen nimmt die Kinderarmut in Deutschland zu, was den Erwerb von Instrumenten und musikalischer Bildung erschwert. Zum zweiten werden musikalische Volkskulturen durch die medial vermittelte Passivhaltung zunehmend aus den Wohnzimmern gedrängt, insbesondere dann, wenn die Familie der vorproduzierten Musik kein „kulturelles Eigenkapital“ entgegenzusetzen hat.
Musikalische Früherziehung wird in einigen Kindergärten Rostocks angeboten, ist jedoch fast überall mit Kosten für die Eltern verbunden. Für unser Projekt wurde daher ein Kindergarten gesucht, dessen Klientel von kostenfreier MFE profitieren könnte. Mit der Kindertagesstätte „Märchenland“ der Stadtmission und seiner engagierten Leiterin Frau Zarmsdorf wurde ein Kooperationspartner gefunden, der gleich doppelt geeignet schien. Zum einen stammen etwa ein Drittel aller Kinder aus Risikofamilien, die in der näheren Umgebung der Kita in Rostock-Toitenwinkel wohnen. Zum zweiten werden im „Märchenland“ insbesondere Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen betreut, wofür der Kita eine eigene fest angestellte Logopädin zur Verfügung steht.
Gleichzeitig gelang es dem Club, an der Hochschule für Musik und Theater zwei engagierte StudentInnen für Lehramt Unterstufe Musik zu finden, die bereit waren, sich mit uns in dieses soziale Experiment zu stürzen. Zunächst musste ein Orffsches Instrumentarium beschafft werden, was mit Hilfe unseres Clubs gelang. Seit Februar 2008 sind Frau Katja Gothe und Herr Stefan Neumann nun dabei, jeden Dienstag die Kinder der Regenbogen-, der Wölkchen- und der Sternchengruppe musikalisch zu „verzaubern“. Die 3- bis 6jährigen Kinder nehmen nach anfänglichem Zögern die Arbeit begeistert an, wovon sie auf dem Benefizkonzert bereits eine Kostprobe gaben.
Mit den beiden StudentInnen wurde seitens des RC vereinbart, dass sie die Arbeit mit den Kindern nicht nur durchführen, sondern auch begleiten. Auf diese Weise entstanden sehenswerte Videodokumentationen, die nicht nur die Begeisterung der Kinder, sondern auch deren Lernfortschritte sichtbar werden lassen.
Mittlerweile tritt das Projekt in seine zweite Phase ein. Die Früherziehung soll darin nicht nur auf eine zweite Einrichtung ausgedehnt werden, sondern auch enger begleitet werden. Hierfür wurde mit Prof. Magnus Gaul, dem Inhaber des Lehrstuhls für Musikpädagogik an der HMT Rostock, vereinbart, das Projekt enger an die Lehre und studentische Qualifikationsarbeiten an der HMT zu binden. Geplant ist eine Erweiterung des Projektes zum Beginn des Sommersemesters 2012, eine Einbindung in die Lehre an der HMT ab Herbst 2011.
Sonntag, 19. Dezember 2010/web683
Letzte Änderung: 19.12.10/web683


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